2005年7月18日
(2005.09.19申し込み期限延長)


第48回ドイツ文化ゼミナール開催のお知らせ
ANKÜNDIGUNG DES 48. TATESHINA-SYMPOSIONS



標記ゼミナールをドイツ学術交流会(DAAD)との共催で下記の通り開催いたします。発表・討議はドイツ語で行います。参加ご希望の方は,葉書の裏に「文化ゼミ参加希望」と朱書のうえ,氏名,現職,住所(漢字・ローマ字併記),電話番号,メールアドレスをまとめて明記して,日本独文学会にお申し込みください。あるいは上記の項目を記載したメールを kulturseminar2@jgg.jp までお送りください。申し込み順に受付けますが,最終的な選考は理事会にお任せください。

In Zusammenarbeit mit dem DAAD wird das 48. Tateshina-Symposion zum unten genannten Thema veranstaltet.

Für die Anmeldung per Post verwenden Sie bitte eine Postkarte, auf die Sie rot den Betreff “Bunka-Seminar” vermerken; nennen Sie bitte Ihren Namen, Ihre Anschrift, Telefonnummer, E-Mail-Adresse sowie Ihre berufliche Position und senden Sie die Karte an:


Japanische Gesellschaft für Germanistik,
Minami-otsuka 3-34-6-501, 170-0005 Tokyo
(〒170-0005東京都豊島区南大塚3-34-6 南大塚エースビル501 日本独文学会)

Anmeldung per E-Mail ist ebenfalls möglich. Senden Sie dabei bitte die entsprechenden Informationen an kulturseminar2@jgg.jp.

Überschreitet die Zahl der Interessenten unsere Aufnahmekapazität, fällt der Vorstand unter Berücksichtigung des Eingangstermins der
Anmeldung die endgültige Entscheidung über die Teilnahme.






◇ 総合テーマ  Rahmenthema:

   Endzeiten - Zeitenden. Diskurse über das Ende. (Themenbeschreibung s. folg. S.)

◇ 個別テーマ Tagesthemen (Änderungen vorbehalten):
    1) Das Ende als Finale (Geschichtsphilosophie)
    2) Das Ende als Wechsel (Medientheorie)
    3) Das Ende als Schwellenübergang (Anthropologie)
    4) Inszenierungen des Endes (Ästhetik)
◇ 招待講師 Gastdozent:
Prof. Dr. Peter Matussek (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf)
◇ 期間 Tagungszeitraum: 19. März (So.)-25. März (Sa.) 2006
◇ 会場 Tagungsort: Artland Hotel Tateshina, Chino-shi, Nagano-ken
    長野県茅野市 アートランドホテル蓼科
◇ 参加費 Teilnahmegebühr: voraussichtlich 50,000 Yen.
◇ 定員 Teilnehmerzahl: 45 Personen
申込締切 Anmeldeschluss: 10月15日/15. Okt.

研究発表希望:
30分程度の発表を希望される方は,題目と内容を簡単に説明する文書(A4,1枚)を添えて委員会にお申し出ください。発表者の決定は委員会に御一任願います。なお,専任職をもたない方と学生の方には旅費の補助があります。

日本独文学会・文化ゼミナール







Themenbeschreibung:
Endzeiten – Zeitenenden. Diskurse über das Ende




Mehr als einmal ist jeder in die Rede über das Ende verfangen worden, sei es das Ende einer Epoche, eines Zeitalters, einer Ära oder eines Jahrhunderts bzw. -tausends, sei es das Ende eines Lebens, einer Tätigkeit, eines Systems, einer Instituiton wie der Universität oder bestimmter Medien wie der Bücher, sei es auch das Ende der Geschichte, des Menschen oder der Welt überhaupt, — und kein Ende. Nicht zu vergessen wäre jedoch dabei, dass das Ende, so sehr es in der Rede selbstverständlich erscheinen mag, jeweils nichts als ein Diskurs ist, d.h.: Das Ende gibt es nur innnerhalb des Diskurses seiner selbst und nirgends sonst. Das „Ende“ als variantenreiche Diskurs- und Denkfigur soll auf dem Symposium unter geschichtsphilosophischen, medientheoretischen, anthropologischen und ästhetischen Schwerpunkten
erörtert werden.


In geschichtsphilosophischer Perspektive erscheint das Ende als Finale einer kulturellen Evolution. In der jüdisch-christlichen Tradition wird diese Endzeit als katastrophischer Untergang, als Apokalypse vorgestellt. Endzeittexte, wie z.B. Thomas Manns Doktor Faustus oder Christoph Ransmayrs Roman Die letzte Welt, thematisieren dieses apokalyptische Ende in den jeweiligen politischen und kulturellen Kontexten. Demgegenüber gibt es zyklisch orientierte Traditionen mit anderen oder keinen Endzeit-Vorstellungen, die die westlichen Traditionen mit prägten (vgl. z.B. Schopenhauer und Nietzsche).

In medientheoretischer Perspektive erweist sich die Rede vom Untergang a priori als sinnlos, denn das Ende eines Mediums erscheint immer in der Figur des Übergangs auf ein anderes; so wird nicht vom Medienuntergang, sondern vom Medienwechsel gesprochen. Medienwechsel lassen sich von Platon (Übergang von der Oralität zur Literalität) bis heute, bis zu Marshall McLuhan, Jacques Derrida (Ende der Buchkultur, Anfang der Schrift als écriture) und Friedrich A. Kittler (Ende des Geistes, Anfang des ausführbaren Codes) beobachten.


In anthropologischer Perspektive gibt es ebensowenig ein finales Ende, denn sofern wir etwas als Ende erleben, werden wir es als Schwellenübergang gewahr. Den Urtext solcher Übergänge bilden Ovids Metamorphosen, die dann Rilke unter den Bedingungen der technischen
Moderne zu verifizieren versucht. Gegenwärtige Diskurse, die am ‚humanistischen’ Ende des Menschen (z.B. bei Heidegger, Foucault und Sloterdijk) anknüpfen, formulieren das Ende nun als Übergang in eine biotechnische Zukunft.


Alle Diskurse vom Ende finden kein Ende. Jedoch kann das Ende ästhetisch zum Erfahrungsgegenstand werden: in verschiedenen Inszenierungen des Endes, z.B. als narrative Technik in Romanenden oder etwa im Schweigen. Von Augustinus’ Bekenntnissen, wo es als Moment der Ergriffenheit deutlich wird, bis zu Hofmannsthals Chandos-Brief, der es als Krise der Sprache selbst begreift, macht es verschiedene Wandlungen durch. In der Moderne schließlich begegnet uns das Schweigen als rhetorisches Mittel in den Formen der Auslassung, der Unterbrechung und der Leerstelle.


Gegenstand des Symposiums sind somit diese vier Kernbereiche: Geschichtsphilosophie (‚Das Ende als Finale’), Medientheorie (‚Das Ende als Wechsel’), Anthropologie (‚Das Ende als Schwellenübergang’) und Ästhetik (‚Inszenierungen des Endes’). Aus diesen Bereichen sollen die genannten Texte – und andere – diskutiert werden.



 Peter Matussek ist Professor für Geschichte und Theorie der Schrift und für die Praxis des Schreibens an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf (Germanistisches Seminar II und Studiengang Medien- und Kulturwissenschaft). Seine Forschungsschwerpunkte sind: Kultur- und Mediengeschichte sowie die medienanthropologische Gedächtnisforschung. Publikationen (Auswahl): Naturbild und Diskursgeschichte. 'Faust'-Studie zur Rekonstruktion ästhetischer Theorie. Stuttgart 1992; Goethe und die Verzeitlichung der Natur. (Hrsg.) München 1998; Goethe zur Einführung. Hamburg 1998 (2. Aufl.2002); Hitler - Karriere eines Wahns. (Hrsg.) München 2000; Orientierung Kulturwissenschaft. Was sie kann, was sie will. (Hrsg.) Reinbek bei Hamburg 2000 (2. Aufl. 2002); Auslassungen. Leerstellen als Movens der Kulturwissenschaft. (Hrsg.) Würzburg 2004.