第55回ドイツ文化ゼミナール開催のご案内


申込締切は2012年11月30日に延長されました

標記ゼミナールをドイツ学術交流会(DAAD)との共催で下記の通り開催いたします。今回は蓼科での開催となります
発表・討議はドイツ語で行います。参加ご希望の方は2012年10月20日までに日本独文学会に葉書もしくはEメールでお申し込みください。
①葉書の場合:裏に「文化ゼミ参加希望」と朱書のうえ、氏名、現職、住所(漢字・ローマ字併記)、電話番号、メールアドレスをまとめて明記。
 宛先(〒170-0005 東京都豊島区南大塚3-34-6 南大塚エースビル603 日本独文学会)
②Eメールの場合: 上記の項目を記載したメールをkulturseminar55[at-mark]jgg.jpに送る。
 なお、参加は申し込み順に受け付けますが、最終的な選考は理事会にお任せください。




総合テーマ: Rahmen und Rahmenbrüche(詳細は下記Themenbeschreibungをご覧ください。)
招待講師 : ウヴェ・ヴィルト教授(ギーセン大学)
会 期 : 2013年3月24日から30日まで
会 場 : 長野県茅野市  リゾートホテル蓼科(旧アートランドホテル蓼科)http://www.hoteltateshina.co.jp/
参 加 費 : 50,000円
定 員 : 45名程度
申込締切 : 2012年10月20日

 研究発表希望: ドイツ語による30分程度の発表を希望される方は、題目と内容を簡単に説明する文書(A4、1枚、独文)を添えて後日、委員会にお申し出ください。発表者の決定は委員会に御一任願います。なお、学生・院生の方には旅費の補助があります。

日本独文学会・ドイツ文化ゼミナール



Themenbeschreibung:
Der Begriff des Rahmens steht wie kein anderer an der Schnittstelle unterschiedlichster Wissenschaften. In den letzten Jahrzehnten hat er in vielen verschiedenen Kontexten Konjunktur gehabt: in der Linguistik als Repräsentationsrahmen (Minsky), in der Soziologie als Handlungsrahmen (Goffman), in der Literaturwissenschaft als Paratext (Genette), in den Theaterwissenschaften als Inszenierungsrahmen (Fischer-Lichte), in der Kunstwissenschaft als Bilderrahmen (Stoichita). Dabei bezeichnet der Rahmen einerseits eine explizite, materiell wahrnehmbare Markierung, die das Gerahmte im Gegensatz zu dem, was sich außerhalb des Rahmens befindet definiert. Andererseits ist die Wirksamkeit dieser Definition von einem implizit vorausgesetzten Rahmungswissen abhängig. Dieses Rahmungswissen betrifft zum Beispiel die Frage, wie eine Äußerung gemeint ist: Handelt es sich um 'bloße Fiktion' oder ist sie ernst gemeint? Wie kann ich das herausfinden?

Die literarische Strategie, um durch ein komplexes System von Rahmungshinweisen zu so etwas wie Rahmungswissen zu gelangen, bezeichnet Luhmann als 'Doppelrahmung': Sie fungiert in der perspektivischen Malerei, dem Bühnentheater und dem Roman als Modell durchschaubarer Täuschung, um sicherzustellen, dass man das Gerahmte "nicht mit der Außenwelt verwechselt". Dies lässt sich insbesondere in den Paratexten der Briefromane und Manuskriptfiktionen des 17., 18. und 19. Jahrhunderts beobachten, wo die Doppelrahmung die Form eines Spiels mit der Frage: 'fingiert oder nicht fingiert?' annimmt.

So tritt E.T.A. Hoffmann zu Beginn der Lebensansichten des Katers Murr als Herausgeber auf, der berichtet, wie er bei seinem (realen) Verleger, Herrn Dümmler, mit einem (fiktiven) schreibenden Kater bekannt gemacht wurde, wie er verspricht, dessen Autobiographie zu edieren, wie es dabei allerdings zu einer Vermischung mit einem anderen Manuskript (dem des Kapellmeisters Kreisler) kommt. Hier erweist sich die Strategie der Doppelrahmung als eine Inszenierung des Übergangs von einem realen 'Außerhalb' in ein fiktives 'Innerhalb', das an der Grenze zwischen Außen und Innen – den Paratexten – auch die Frage nach den materiellen und technischen Rahmenbedingungen von Kunstwerken aufwirft.

Zu fragen bleibt aber, ob derartige paratextuelle Doppelrahmungen als statisch gesetzte Rahmen, oder aber als dynamische Rahmungsprozesse aufzufassen sind. Möglicherweise sind Rahmen immer das Resultat von nicht abschließbaren Rahmungsprozessen, das heißt, sie wirken, wie Derrida bemerkt hat, "von einem bestimmten Außen her, im Inneren des Verfahrens" mit.

Drei Formen dieses 'Mitwirkens', bei denen die Aufmerksamkeit auf die Macht des Rahmens gelenkt wird, sollen Thema der Tagung sein: Rahmenkonstitution, Rahmenbruch und Rahmenwechsel – alle drei Aspekte sollen zum Gegenstand unserer Reflexionen und Diskussionen werden.

Damit sind zunächst einmal die Dynamiken der Rahmenkonstitution zu untersuchen – ausgehend von den Bilderrahmen der Malerei und den typographischen Rahmen des Paratextes, die, laut Genette, wie eine Art 'Vestibül' funktionieren, als 'unbestimmte Zone' zwischen innen und außen. Umgekehrt lassen sich alle Erscheinungsformen des Rahmenbruchs unter dem Aspekt des 'Aus-dem-Rahmen-Fallens' bzw. der 'Rahmenkonfusion' betrachten, wobei hier zwischen unabsichtlichen 'Unglücksfällen' einerseits und Inszenierungen von Rahmenbrüchen andererseits zu unterscheiden ist. Insofern ist grundsätzlich zu fragen warum und wie Rahmenbrüche in Szene gesetzt werden. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei dem Verhältnis zwischen Rahmenbruch und dem dadurch ausgelösten Rahmenwechsel.

Mit Goffman kann man den Rahmenwechsel so beschreiben: Das bereits Gerahmte wird durch eine bestimmte Tätigkeit in etwas transformiert, das von allen Beteiligten mit einem Mal "als etwas ganz anderes gesehen wird". Man kann den Rahmenwechsel aber auch als Wechsel zwischen unterschiedlichen medialen Verkörperungsformen, nämlich als Remediation begreifen – etwa die Umsetzung eines geschriebenen Roman-Textes in ein Hörbuch, das dann anderen medialen Rahmenbedingungen zu gehorchen hat, oder aber die Umsetzung eines klassischen literarischen Textes in eine Graphic Novel. Somit lauten die beiden leitenden Fragen: (1) Wie wird implizites Rahmenwissen durch Rahmenbrüche explizit sichtbar gemacht; (2) Wie wird mit Hilfe inszenierter Rahmenbrüche die Aufmerksamkeit auf die Bedingungen von Rahmenwechseln gelenkt?

Das Seminar wird sich in diese vier Tagesthemen gliedern:
1. Rahmenkonstitution – Rahmen als performative Paratexte
2. Paratextuelle Rahmen und medialer Rahmenwechsel
3. Räumliche, zeitliche und institutionelle Aspekte des Rahmens und des Rahmenwechsels.
4. Rahmenbrüche – Metalepse, Ironie, Komik


Prof. Dr. Uwe Wirth
- Seit 04/2007 Professor für neuere deutsche Literatur und Kulturwissenschaft am Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen.
- Seit 10/2008 Projektleiter im LOEWE-Schwerpunkt "Kulturtechniken und ihre Medialisierung" in den Teilprojekten "Praktiken des Suchens und Findens" und "Multimedialisierung der Chronik des Gettos Lodz/Litzmannstadt".

Forschungsschwerpunkte:
Theorie und Geschichte des Schreibens und Lesens,
Literatur um 1800, Logiken der Kulturforschung, Kulturtheorie mit Schwerpunkt Performativität, Medientheorie mit Schwerpunkt Hypertextualität, Zeichentheorie mit Schwerpunkt semiotischer Pragmatismus und abduktive Inferenz

Auswahlbibliographie:
Diskursive Dummheit. Abduktion und Komik als Grenzphänomene des Verstehens, Heidelberg 1999;
Die Welt als Zeichen und Hypothese. Perspektiven der Peirceschen Zeichentheorie, (Hg.) , Frankfurt a.M. 2000;
Performanz. Zwischen Sprachphilosophie und Kulturwissenschaften, (Hg.), Frankfurt a.M. 2002;
Kulturwissenschaft. Eine Auswahl grundlegender Texte, (Hg.), Frankfurt a.M. 2008;
Die Geburt des Autors aus dem Geist der Herausgeberfiktion. Editoriale Rahmung im Roman um 1800: Wieland, Goethe, Brentano, Jean Paul und E. T. A. Hoffmann, München 2008;
Dilettantismus als Beruf, (Hg. mit Azzouni), Berlin 2010;
Texte zur modernen Philologie, (Hg. m. Bremer), Stuttgart 2010;
Konjektur und Krux, (Hg. m. Bohnenkamp/Bremer/Wirtz), Göttingen 2010;
Impfen, Pfropfen, Transplantieren, (Hg.), Berlin 2011;



Organisationskomitee des 55. Kulturseminars
Mechthild Duppel-Takayama , Tsuyoshi Iwamoto, Mototsugu Katsura,
Takashi Kawashima, Shinji Miyata(Komiteeleiter), Teiko Nakamaru, Thomas Pekar,
Toshikatsu Takeda, Yoshikazu Takemine, Hiroshi Yamamoto, Toshiki Yoshinaka